Wie zerlegt man ein Sennheiser MD 421-N

Als ich vor einigen Monaten in der Mikrofonsammlung der More-Than-Swing Bigband stöberte, fand ich drei sehr bekannte und beliebte Schätzchen. Ein Sennheiser MD 441 und zwei MD 421. Alles Vintage Modelle aus den 1970ern. Bei einem der 421 stellte sich heraus, dass wohl die Kabel im Inneren des Kleintuchelsteckers abgerissen waren und wohl angelötet werden müssten. Daher blieb das Mikro bei mir, die anderen beiden wanderten in den Mikrokoffer der Band.

Irgendwie geriet die Löt-Geschichte in Vergessenheit und als ich dann vor Kurzem mal wieder in das Sennheiser-Case schaute, musste ich mit Schrecken feststellen, dass sich das blaue Schaumstoff-Polster komplett aufgelöst und in jede kleinste Ritze des Mikros verteilt hatte. Das Mikro hatte eine Komplettreinigung schwer nötig. Da sich der Schaumstoff auch schön in den Korb gedrückt hatte, blieb mir wohl nichts anderes übrig, als es einmal komplett zu zerlegen um den Korb unter fließendem Wasser auszuwaschen.

Schaumstoff-Massaker
Schaumstoff-Massaker

Da ich in den Weiten des Internets keine detaillierte Anleitung finden konnte, wie man diese Vintage-Mikros nun tatsächlich komplett auseinanderbaut, gibt es hier eine genaue Beschreibung.

  • Als erstes schiebt man das Metallschildchen mit der Seriennummer Richtung Stecker raus, so dass darunter eine Schraube zum Vorschein kommt.
Typenschild zurückschieben
Typenschild zurückschieben
  • Nachdem man diese Schraube nun rausgedreht hat, kann man den Tuchelstecker komplett aus dem Gehäuse rausziehen.
Stecker rausziehen
Stecker rausziehen
  • Nun sieht man im Inneren des Gehäuses eine Mutter mit einem Silikonring außenrum. Dies stellte mich vor ein Problem, da ich kein entsprechendes Werkzeug hatte. Eine kurze Internetrecherche ergab, dass man diese Mutter mit einem 7mm Sechskant-Steckschlüssel öffnen kann. Einen Besuch beim örtlichen Baumarkt später konnte ich also meine Arbeit fortsetzen und die Mutter rausdrehen. Zuvor kratzt man den Silikonring am besten mit einem Schraubenzieher weg.
Mutter lösen
Mutter lösen
  • Wenn die Mutter abgeschraubt ist, kann man den Korb mitsamt der Mikrofonkapsel nach vorne weg vom Gehäuse ziehen. An dieser Stelle notiert man sich am besten, wie die Ausrichtung der Kapsel und des Korbes zum Gehäuse war, damit man hinterher nicht Rätseln muss. Der Rote Punkt an einer Schraube kann gut als Anhaltspunkt dienen.
Korb mit Kapsel rausziehen
Korb mit Kapsel rausziehen
  • Da wir dem Korb ein entspannendes Schaumbad verpassen wollen, müssen wir die vier Schrauben lösen, mit denen die Mikrofonkapsel mit dem Korb verbunden ist.
Kapselschrauben lösen
Kapselschrauben lösen
  • Sind die vier Schrauben gelöst, so kann man die Kapsel vorsichtig aus dem Mikrofonkorb rausziehen. Man sollte hier behutsam vorgehen, da man die zwei dünnen Kabel an der Seite der Kapsel wohl kaum abreißen möchte. Nun hat man den Korb ohne jegliche Elektronix und kann ihn mit handelsüblichen Reinigungsmitteln sauber machen.
Der saubere Korb
Der saubere Korb

Wenn man es bis hierhin geschafft hat, gestaltet sich der Zusammenbau auch denkbar einfach: Korb und Kapsel zusammenschrauben, ins Gehäuse einschieben, die Mutter von der Rückseite draufschrauben, das Gehäuse um die Mutter herum mit Silikon ausspritzen (optional), den Stecker wieder einsetzen und festschrauben. Das einschieben des Typenschildes schließt die Aktion ab.

Das saubere Mikro
Das saubere Mikro

Anschließend kann man sich über ein Vintage-Mikrofon freuen, dass wie neu aussieht und beim harten Bühnenalltag wahrscheinlich seit dem Verlassen des Sennheiser-Werkes nicht mehr so sauber war.

7 thoughts on “Wie zerlegt man ein Sennheiser MD 421-N”

  1. Aha, da scheint ein Fachmann zu sprechen.
    Ich habe heute ein Sennheiser 421 HL in einer alten Kabelkiste wiederentdeckt und würde es gerne an mein Zoom-H5-Aufnahmegerät anschließen. Habe ich auch gemacht – aber es passiert nichts. Das Mikro selbst hat wohl einen “kleinen Tuchelanschluss”, festgeschraubt ist ein Kabel, das dann aber in einem XLR-Stück endet, auf dem auch noch ein Adapter für einen großen Klinkenstecker steckt. So passt es ins Zoom, ebenfalls mit dem XLR-Stecker. Ich habe keinerlei Ahnung, wovon ich hier spreche und bin deshalb auch noch keinen Schritt weitergekommen. Widersprechen sich Mikrofon und Aufnahmegerät in irgendeiner Weise? Oder ist das Nichtausschlagen der Anzeigen, dass das Mikro eher in den Müll gehört. Oder kann es eigentlich auch am Kabel liegen oder sonstwo. Ich wäre für jeglichen Hinweis dankbar.
    Beste Grüße,
    Andreas

  2. Hallo Andreas,

    ich konnte hier auch nur auf die Schnelle Google befragen. Das 421HL nimmt wohl eine Sonderstellung ein, indem es einen hochohmigen asymmetrischen und einen niederohmigen asymmetrischen Ausgang mit einem Transformator bietet. Wenn ich es richtig verstehe, sollte man diesen Trafo ausbauen wenn man es an aktueller Technik einsetzen will.
    Vielleicht hilft dir ja dieser Forumseintrag weiter http://www.audio-ergo-sum.de/viewtopic.php?f=7&t=8206
    Natürlich kann man auch einen Kabelbruch nicht ausschließen. Du solltest auch sicherstellen, dass die Phantomspannung am Aufnahmegerät abgeschaltet ist.
    Leider gibt es zuviele Möglichkeiten, um hier aus der Ferne eine gesicherte Aussage zu treffen.

    Viele Grüße
    Phil

  3. hallo phil, ab august biete ich einen formkoffer für alte sennheiser md421 an. ich würde gerne dein bild von der zerbröselten Schatulle auf meine website http://www.vox-o-rama.de stellen. natürlich nicht für umsonst….
    riza

  4. Hallo Phil,

    ich habe 2x421N im Nachlass meines Schwiegervaters gefunden, mit dem gleichen Problem. Selbst mit meinen zehn Daumen habe ich die Mikros zerlegen und wieder zusammensetzen können – danke für Deine Anleitung.

    Gruss aus der Werkstatt
    Theiser

  5. If I were only reviewing the sound quilaty of these headphones I’d give them 5 stars. If I were only reviewing the comfort of these headphone I’d give them 5 stars. After all, I’ve bought three sets of them I liked the sound and comfort so much. The problem is, that it was three sets in less than 18 months All of them failed in the same way: the right channel just crapped out from a cheap cord design. The first set I chalked it up to me not treating them right. The second set I was a bit angry about but I decided to try the warranty replacement. Unfortunately, I was dumb enough to buy a 3rd pair while waiting on the very slow warranty service, which wound up replacing them with a completely different model of headphone to add insult to the whole process.Well, yesterday, in spite of my gentlest treatment yet, set #3 crapped out in the right channel after only 4 months. That’s it, I’m not wasting any more money on these headphones and I recommend the same to everyone else.

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